May 8, 2009...8:53 am

Guter Journalismus braucht kein Papier

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Die Süddeutsche Zeitung jammert in ihrem Magazin den Untergang des Journalismus, der Demokratie –  ja überhaupt der Untergang der Zivilisation – herbei. Auslöser ist die bittere Erkenntnis, dass weder Leser noch Werber ewig eine Branche am Leben erhalten wollen, deren grösste Wertschöpfung in der Distribution von toten Bäumen liegt.

Auf das ganze Heft verteilt sind die allgegenwärtigen  Pauschalisierungen und kollossale Fehleinschätzungen anzutreffen, die sich etwa folgendermassen zusammfassen lassen: Alles was aus der Druckpresse fliesst, besteht zu hundert Prozent aus Fakten, Professionalität und Qualität. Alles, was durch Kupfer oder Glasfaser transportiert wird, muss hingegen zwingend Niveau-loses Geschwätz von amateurhaften Selbstdarstellern sein.

Man weisst mit dem Zeigefinger darauf hin, dass es für die Demokratie eine Öffentlichkeit braucht und Öffentlichkeit nur über Zeitung hergestellt werden kann (“Ist die Öffentlichkeit das Medium der Demokratie, so war die gedruckte Presse bisher das wichtigste Medium der Öffentlichkeit”, Demokratie).

Sogar der Chefredakteur greift zur Schreibmaschine um seine  düstere Zukunftsprognose zu verfassen: “Was die Qualität einer Zeitung ausmacht, wird erst dann wertgeschätzt werden, wenn sie nicht mehr vorhanden ist”, Qualität)

Ach, und nicht fehlen darf natürlich die Lobpreisung des Papiers: “geduldig!”, “haptisches Erlebnis!”  (Papier)

Doch wie es sich für Qualitäts-Journalismus gehört, sind dann doch noch ein paar Gegenstimmen zu vernehmen: Lichblick ist das Interview mit Jeff Jarvis: “Nicht die Zeitungen sind wichtig für die Demokratie, der Journalismus ist es“. So lautet denn seine Lösung für den Qualitäts-Journalismus im Internet: “Tu nur das, was du am besten kannst. Für alles Übrige gibt es Links.

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