Ich twittere, blogge, buzze, friendfeede und tippe Banalitäten bei Facebook und Linkedin rein, daneben teste ich auch regelmässig weitere Dienste, die einen Einwurf-Schlitz für Statusupdates bieten. Da mein Leben nicht so spannend ist, dass ich alle diese Kanäle mit exklusivem, verblüffenden, bedeutenden und vor allem unterschiedlichem Premium-Inhalten füllen könnte, stehe ich immer wieder vor einem aus der Uraltkommunikation wie der Email-Liste bekannten Problem: Soll ich crossposten oder nicht?
Die ältesten unter Ihnen erinnern sich vielleicht: Viele Mails, die über Mailinglisten versendet werden, beginnen mit dem Satz: “Sorry for Crossposting“. Damit heuchelt der Absender Verständnis vor. Denn die Listenmitglieder regen sich auf, wenn sie dieselbe (Spam-)Mail über unterschiedliche Mailinglisten mehrmals erhalten. Wir leiten daraus das Stop-Crossposting-Gesetz ab, dessen erster Paragraf lautet: Crossposting nervt.
Nun nicht nur Uraltkommunikation wie Emaillisten, nein auch der heisseste Social-Media-Scheiss wie Twitter, Facebook, Buzz und Friendfeed brechen das Stop-Crossposting-Gesetz. Leider auf einer noch viel grösseren Skala: Sie bieten die automatische Verknüpfung mit den Updates der anderen Diensten. Ich kann also Facebook-Status-Updates automatisch ergänzen mit all meinen Tweets, Buzzes, Friendfeedupdates und Blog-Einträgen. Und vice versa. Meine “Friends” können damit über alle meine Posts in unterschiedlichen Diensten (des-)informiert bleiben.
Das wäre weiters nicht schlimm, wenn ich bei allen Diensten unterschiedliche “Friends” hätte. Doch überall tummeln sich die gleichen 20-40 Frühadoptierer-Nasen in meinen Freundes-Listen. Wenn ich also überall dieselben Inhalte publizieren würde, erhielten sie die Inhalte mehrfach und wie wir oben gelernt haben: Crossposting nervt.
Da ich selber sehr sensibel bin auf solche Dinge, versuche ich natürlich, Crossposting zu vermeiden – weil ich meine Freund so mag. Leider beruht dies nicht auf Gegenseitigkeit. Einige der Nutzer, deren Status-Updates ich bei unterschiedlichen Diensten verfolge, koppeln alle Streams zusammen. So erhalte ich häufig die selben Tweets auf Buzz, Facebook, Twitter, Friendfeed und Linkedin mindestens vierfach. Crossposting nervt.
Das Problem wäre mit dem simplen Klick auf die Verdamnis-Knöpfe einfach zu lösen: “Unfollow” bei Twitter, “Remove” bei Facebook, “Nicht mehr mitlesen” bei Buzz. Daraus erwachsen aber gleich zwei weitere Schwierigkeiten. Erstens: Die Leute, denen ich folge, haben ja durchaus Interessantes, Wichtiges und Spannendes zu berichten – nicht zuletzt deshalb folge ich ihnen ja auch. Wenn ich nun unfollowe, gehe ich ein Risiko ein: Nämlich, dass ich diese eine Botschaft, diese eine wirklich wichtige Meldung, diese eine information, die mein Leben verändern wird – dass ich genau diese verpassen werde, weil es aus versehen exklusiv auf einem der Kanäle verteilt wurde, den ich aufgrund der redundanten Botschaften gekündigt habe.
Die zweite Schwierigkeit ist: Facebook, Twitter und Google sind mittlerweile auch zu den wichtigsten Identitätsprovidern geworden, die mir den Single-Sign-On bei anderen Dienste ermöglichen (Stichworte: Facebook Connect, Twitter OAuth, Google Friend Connect). Wenn ich also Leute aus meinen Friendslisten rausschmeisse, weil sie zu viel crossposten, muss ich damit auch auf ihre möglicherweise interessanten Antworten verzichten, die sie mir beispielsweise bei Aardvark geben könnten.
Deshalb hier mein Aufruf. Liebe Freunde. Bitte packt nicht alle eure Feeds zusammen. Crossposting nervt.
agree, 100 %
@ugugu. Als jahrelanger Anhänger deines Goldstandard-Blogcontents freut es mich, dass wir in dieser Sache derselben Meinung sind.
Ich hätte jetzt eine Frage. Vielleicht bin ich zu doof es selber zu kapieren. Ich schreib einen Blog über Motorradfahren. Jetzt möchte ich, dass so viele Motorradfahrer wie möglich meine Texte lesen. Wenn ich nun 10 der wichtigsten Motorradforen-Foren im deutschen Sprachraum auswähle um ca. alle 14 Tage einen Artikel zu posten. Ist das “Crossposting”?
Oder müsste ich innerhalb eines Forums meinen Artikel in verschiedenen Unterforen posten, um den “Tatbestand” zu erfüllen.
Sorry für die vielleicht simple Frage, aber die Erklärungen im Netz beantworten mir die Sache nicht 100%ig,
lg, Dieter Wellmann