March 10, 2010...2:00 pm

Was kann man von Googles Geschäftsbericht 2009 lernen?

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Einen Geschäftsbericht zu lesen, erzielt in etwa die gleichen Spannungslevels wie Fischen ohne Köder. Dennoch habe ich mir gestern mal den Annual Report 2009 von Google (10-K) durchgeschaut. Folgendes finde ich interessant:

  • Der Umsatz hat sich in vier Jahren von 6.1 (2005) auf 23.6 Milliarden USD (2009) vervierfacht.
  • Trotz Enterprise-Produkten, Lizenzierung, Freemium-Diensten und Nexus One macht das grosse G. nachwievor 97 Prozent des Umsatzes mit Werbung (S. 37)
  • 12 Prozent des Umsatzes (2.8 Milliarden) steckt Google in Forschung und Entwicklung. Das ist zwar viel, wenn man bedenkt, dass die Uni Zürich mit diesem Geld ca. 60’000 wissenschaftliche Assistenten einstellen könnte. Im Vergleich zu Microsoft mit 9.6 Milliarden R&D-Ausgaben ist es wenig.
  • Die Häufigkeit des Begriffs “automated” bleibt über die Jahresberichte verteilt relativ konstant in der Region von 30 (29 mal in 2009, 30 mal 2009, 31 mal in 2007, 29 mal in 2006, 27 mal in 2005, 32 mal in 2004).
  • Google Books enthält mittlerweile 12 Millionen Bücher
  • Es gibt tatsächlich Google-Produkte, die ich noch nicht ausprobiert habe. Dazu zählen Panoramio, Google Music Search, Google Checkout
  • Google glaubt sich in einem kompetitiven Markt zu befinden und sieht sich nicht als Monopolist in einem hochkonzentrierten Markt (S. 16). Als Konkurrenten nennt Google explizit vertikale Suchmaschinen (Kayak (Reisen), Monster (Jobs), Amazon.com und Ebay (Commerce)), Social Networks (Facebook, Yelp, Twitter), Andere Werbeformen (TV, Radio, Zeitung, Magazine, Billboards, Gelbe Seiten). Eine böse Unterstellung wäre, dass dahinter die Strategie steckt, die Definition des relevanten Markts auszuweiten, um einer Wettbewerbsregulierung zuvor zu kommen.
  • Der Geschäftsbericht zählt 26 Risiken auf, denen das Geschäft von Google ausgesetzt ist (S. 19-29): 1. Starker Wettbewerb, 2. Zwang zur stetigen Innovation, 3. Abhängigkeit von Werbefinanzierung, 4. Abhängigkeit von der starken Marke, 5. wachsende Regulierung, 6. Neue US Gesetze, 7. Integrationsprobleme bei Firmenzukäufen, 8. Hohe Risiken bei internationalem Geschäft, 9. Sicherheitsrisiken, 10. Datenschutzbedenken der Nutzer, 11. Abgebremstes Umsatzwachstum, 12. schwankende operative Resultate, 13. Unvermögen beim Schutz von IP, 14. Mögliche IP-Klagen, 15. Sich verändernde Nutzung bei Endgeräten, 16. Ad-Block-Technologie, 17. Click Fraud, 18. Donwtime, 19. Manipulative Index-Spammers, 20. Managementfehler beim schnellen Wachstum, 21. Verlust von Google Network Mitgliedern, 22. Verlust von Eric Schmidt, Larry Page und Sergey Brin, 23. Unfähigkeit beim Anwerben von qualifiziertem Personal, 24. Internet-Zugangsbeschränkungen durch ISPs, 25. Währungsschwankungen, 26. unvorhergesehen hohe Steuerlast.
  • Brin und Page haben dieses Jahr im Unterschied zu allen anderen Jahren (noch) keinen Founder’s Letter geschrieben, der jeweils einen interessanten Ausblick zur Strategie des Unternehmens liefert. Wo bleibt der Founder’s Letter?
  • Google hat eine Telefonnummer: Sie lautet (650) 253-0000.

11 Comments

  • Bezüglich der Forschungs- und Entwicklungsausgaben: Ist zwar schön, die absoluten Ausgaben zu vergleichen – führt aber nicht zum Ziel, wenn man sie nicht am Umsatz orientiert. 12 % sind es bei Google. Und mit 16,4 % bei Microsoft nicht überragend viel mehr. Dass es mehr ist, könnte seine Ursache auch darin haben, dass Microsoft eben Produkte entwickelt, die sie selbst verkaufen und die – anders als bei Google – nicht Mittel zum Zweck sind (und der heißt bei Google Werbeeinnahmen). Da gelten vermutlich einige Kosten als für R&D aufgewendet, die bei Google u. U. nicht so verbucht würden.

    Interessant wird der Vergleich aber auch das erst, wenn man Erkenntnisse darüber sammelt, wie sich bei beiden Budgets in den vergangenen Jahren entwickelt haben. Wenn Google im Jahr 2007 20 % R&D-Investitionen getätigt hätte und Microsoft “nur” 16 % (die tatsächlichen Zahlen kenne ich nicht, diese dienen nur als Beispiel), was würde das dann aussagen?

  • @mh. Die R&D-Ausgaben bei Google sind über die letzten Jahre konstant zwischen 12 und 13 Prozent des Umsatzes. Wie Sie richtig sagen, kann man die Ausgaben von Microsoft und Google wahrscheinlich gar nicht vergleichen. Es ist ein klassischer Äpfel-Birnen-Vergleich. Google muss ja schliesslich nicht die Investitionsruine Windows Vista zu Windows 7 umformen. Zudem verkauft Google keine Spielkonsolen. Mir ging es bei meinem Vergleich mehr darum, die schwierig vorstellbare Zahl von 2.8 Milliarden in ein Verhältnis zu bringen.

  • “12 Prozent (2.8 Milliarden) …. Im Vergleich zu Microsoft mit 9.6 Milliarden R&D-Ausgaben ist es wenig.

    “Wenig” ist relativ, bzw man hat die Prozentrechnung extra eingeführt um nicht immer Äpfel und Birnen vergleichen zu müssen… Schließlich macht Microsoft 2009 auch mit 58,44 Mrd. USD ein “wenig” mehr Umsatz. Somit kommt Microsoft auf ~16% , das ist zwar immer noch mehr, aber nur wenig.

  • da wer jemand ein wenig schneller…

  • Lizenzieren mit zwei Z. Von Lizenz.

  • Bei der Analyse der Entwicklungskosten ist die Betrachtung des Verhältnis zum Umsatz im selben Jahr nur ein nur ein allererster Schritt. Entwicklungskosten werden für zukünftige Umsätze in einem oder mehr Jahren aufgewandt. Dies wirkt sich bei einem so rasch wachsenden Umsatz wie bei Google extrem aus: in zwei Jahren hat sich der Umsatz verdoppelt, wäre dies die Vorlaufzeit für die Entwicklung, so wären deren Kosten nur 6% statt 12% [Zur Abhängigkeit der Entwicklungskosten von der Portfolioposition
    KU Stein - Die Betriebswirtschaft, 1992]
    Fazit: entweder entwickelt Google sehr effizient, oder kauft sich Entwicklungen z. B. durch Firmenaquisitionen. Und dies steht auf einem anderen Blatt.

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  • [...] Was kann man von Googles Geschäftsbericht 2009 lernen? « Large Neuron Collider Google Books enthält mittlerweile 12 Millionen Bücher (tags: digitales) [...]

  • Und Fremium mit P.


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