Bist du früher gerne in den Instrumentalunterricht gegangen? Ich weiss nicht wie es dir geht, aber die allermeisten Musikschulerlebnisse meiner Jugend bleiben nicht in bester Erinnerung. über die Jahre hinweg hatte ich Unterricht in Piano, Keyboard, Bass, Gitarre, sogar Blockflöte. An die meisten Lektionen erinnere ich mich mit einem schlechten Gefühl im Bauch, obwohl ich wirklich motiviert war und diese Instrumente unbedingt lernen wollte (ok, die Blockflöte zählt nicht dazu).
Vor ein paar Monaten besprach ich das mit Siro, dem Drummer meiner Band. Es stellte sich heraus, dass er teilweise ähnlich negative Erlebnisse gemacht hatte. Und als wir Menschen aus unserem Umfeld befragten, ob sie sich positiv an den Instrumentalunterricht errinerten, hat der Grossteil verneint.
Es schien uns also, dass der Musikunterricht-Frust, zumindest in der Schweiz, ein weit verbreitetes Phänomen ist. Wieso ist das so? Das Musik machen ist doch etwas Tolles. Jeder hat seine Lieblingslieder und Lieblingsmusik. Jeder würde das gerne spielen können. Wieso war Musikunterricht in unserer Jugend häufig so mühsam?
Nach einigen Diskussionen sind Siro und ich zum Schluss gekommen: Musikunterricht ist häufig ein Frust, weil man den falschen Lehrer erwischt: Ein Flamenco-Gitarrist kann mir keine Songs von Metallica beibringen. Ein Jazzdrummer wird mir keinen satten Rockbeat erklären können. Eine klassisch ausgebildete Sängerin wird mir nicht helfen, Janis Joplin unter der Dusche nachzusingen. Doch trotzdem funktioniert unser Musikschulsystem häufig so, dass es solche unpassenden Paarungen von Lehrer und Schüler produziert.
Siro und ich haben uns gesagt: Musikschule, das kann man besser machen, indem man für jeden Schüler den richtigen Lehrer findet. Eine Person, die den Musikgeschmack und die Leidenschaft des Schülers für gewisse Songs teilt. Wie macht man das? Indem man für jedes Instrument eine Vielzahl und Vielfalt von verschiedenen Musiklehrern und -lehrerinnen zusammen bringt, die alle ihre ganz eigenen musikalischen Spezialitäten haben.
Diese übermütige Idee hat sich über die letzten Monate konkretisiert. Und gestern haben wir unsere Musikschule ins Netz gestellt. Sie heisst Instrumentor – eine Wortzusammensetzung aus Instrument und Mentor. Wir haben zum Start 20 Musiklehrer in Zürich und beginnen mal mit Gitarrenunterricht, Schlagzeuglektionen, Gesangsunterricht und Klavierstunden. Das ganze ist noch Alpha-Alpha-Phase und hat noch Experimentcharakter. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir schon bald mehr Lehrer haben werden, sobald wir die ersten Erfahrungen gemacht haben.
Nun sind wir gespannt, ob wir tatsächlich einen Unterschied machen können. Würde mich freuen, wenn der eine oder andere ein Feedback zu unserem Projekt hätte.
